insightD TechTalk Q3/26 RUCKUS Networking für Industrie & Logistik
Über das Event
Ruckus gehört seit einigen Wochen zum Belden-Konzern, zu dem auch Hirschmann zählt. Belden ist stark in Industrie- und OT-Netzwerktechnik bis hin zu Spezialkabeln. Ruckus bildet dort die IT-Sparte, was IT und OT enger zusammenbringen soll.
Stellmann sieht in Lager und Fertigung drei große Herausforderungen:
- Funkabdeckung: Hohe Metallregale, verschiedene Temperaturzonen, Störungen durch Elektromotoren und schwankende Füllstände machen die Planung schwierig. Flüssigkeiten, Papier, Zellstoff und sogar Gummibärchen dämpfen das Signal stark. In der leeren Halle reicht oft ein einziger Access Point, voll gestellt sieht das ganz anders aus. Ein Tiefkühlfleischlager, das jede Woche von voll auf leer schwankt, zeigt, wie dynamisch das werden kann.
- Mobilität: Fahrerlose Transportsysteme, Scanner, Stapler-Terminals und AR-Brillen brauchen schnelles und zuverlässiges Roaming. Bleibt ein FTS mit schwerer Ladung stehen, ist im Zweifel Schichtende. Nils ergänzt, dass Systeme wie SAP empfindlich auf Verzögerungen reagieren und oft uralte Scanner mit Windows CE neben modernen Geräten laufen müssen.
- Resilienz: Fehler sollen automatisch erkannt und schnell behoben werden. Dazu gehören Redundanz in der Ausleuchtung, Switching-Konzepte wie MLAG und eine durchdachte Stromversorgung.
Herzstück der Ruckus-Technik ist BeamFlex+, ein adaptives Antennen-Array. Es richtet die Funkenergie per Machine Learning laufend auf den jeweiligen Client aus, ähnlich einer Taschenlampe, die mitwandert. Nach Erfahrung von Nils reichen dadurch deutlich weniger Access Points und PoE-Ports. Eine sorgfältige Planung und Ausmessung, etwa mit Ekahau, ersetzt das aber nicht. Für Sonderfälle gibt es Sektorantennen, externe Antennen und bald einen Test mit Leckkabelantennen von Belden.
Das Portfolio im Überblick:
- Access Points für drinnen und draußen, Outdoor-Modelle für -40 bis +60 °C und teils IP67. Für neue Installationen empfiehlt Stellmann klar Wi-Fi 7: abwärtskompatibel, geringere Latenzen und Multi-Link Operation auf allen Bändern. Das 6-GHz-Band funktioniert allerdings nur mit Wi-Fi-6E- und Wi-Fi-7-Clients.
- ICX-Switches, teils komplett lüfterlos mit bis zu 240 W PoE-Budget und unter 30 cm Einbautiefe. Das passt gut zu den kleinen Netzwerkschränken, die in Lagern meist irgendwo oben an der Wand hängen, und sie ziehen keinen Staub.
- Management über drei gleichwertige Plattformen: SmartZone (on-prem, läuft auch ohne Internet weiter), Ruckus One (Cloud mit KI-Funktionen) und Unleashed (controllerlos für kleinere Umgebungen). Mit RUCKUS AI lassen sich die KI-Funktionen auch für SmartZone dazubuchen.
- Cloudpath als Policy-Server für individuelle Schlüssel pro Gerät oder Person, Zertifikate und Self-Service-Onboarding, angebunden an MDM und Entra ID.
Zum Schluss geht es um KI im Netzbetrieb. AI-driven RRM sammelt 14 Tage Telemetrie, baut daraus einen digitalen Zwilling der Funkumgebung, spielt bis zu 250.000 Varianten durch und setzt die beste Konfiguration um. Nils erzählt aus der Praxis: Bei einem Kunden galt das WLAN als Schuldiger für langsame Scanvorgänge. Die Telemetrie und ein simpler Test (EAN-Codes per RDP in einen Texteditor scannen) zeigten, dass das Problem auf der Serverseite lag.
Referent: Michael Stellmann (Consulting System Engineer, Ruckus), Co-Moderation: Nils
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